Indianermädchen 007 auf fast geheimer Mission ** Feierabend heißt Feierabend**

Vor einigen Tagen, als das Indianermädchen und ich gerade auf dem Heimweg waren, wurde ich von einer Passantin angesprochen. „ Darf ich den Hund mal streicheln?“ 
Nun ist das erst mal nicht ungewöhnlich, dass Fremde Emmely streicheln wollen – das sie vorher auch fragen schon. Daher zunächst mal ein Lob an die Passantin.  
„Tut mir leid, lieber nicht. Sie hat gerade gearbeitet und ..“ 
Weiter kam ich leider nicht, weil die fremde Frau tief Luft holte und dann anfing zu meckern.
„Wieso denn nicht?! Ist jetzt schon gestreichelt werden Arbeit?!“  „ Ich habe Erfahrungen mit Hunden.“„Sie sind unmenschlich!“ „ Sie haben einen so schönen Hund überhaupt nicht verdient!“

Solche und ähnliche Sätze durfte ich mir dann anhören und kam wirklich nicht dazu,  zu erklären, warum ich das mit dem Streicheln nicht wollte.  Und ehrlich gesagt, verging mir auch ziemlich schnell die Lust. 

Euch mag ich es aber erklären und wer weiß, vielleicht verirrt sich die besagte Frau ja mal hier auf unseren Blog und dann weiß auch sie Bescheid.

Das Indianermädchen war an diesem Tag seit Morgens mit mir in der Praxis gewesen. Es hatte artig in der Box gewartet, während ich mobil unterwegs war (also eine Therapiestunde in einer Schule machte) und lag (fast) ganz brav neben mir, während ich am PC den Bürokram erledigte (nur fast, weil natürlich das Schnüffeln in den Taschen der Kollegen strengstens verboten ist  *räusper*).  
In der folgenden Therapiestunde durfte das Indianermädchen dann aber mit. Ihre Vorfreude,  sich nun endlich austoben zu können, musste ich jedoch arg dämpfen, da ich für das Indianermädchen nur einen passiven Part vorgesehen hatte.  Mit dem Jugendlichen wollte ich nämlich etwas schriftlich erarbeiten und wenn die Konzentration und Motivation desjenigen sinkt, hilft es ihm manchmal, sich dann kurz mit Emmely zu beschäftigen und sie zu streicheln oder ihr einen Keks zu geben. 

Und unerwartete Langeweile ist für ein hochmotiviertes Indianermädchen erst mal schwierig auszuhalten – inzwischen kennt es das aber schon und fährt recht schnell wieder runter und beruhigt sich dann auch. 
In der folgenden Therapiestunde durfte das Indianermädchen Lasse und mich begleiten.  Der war ziemlich aufgedreht und unkonzentriert, so dass es mit dem Tricksen anfänglich nicht so gut klappte.  Das führte dann zunächst dazu, dass Lasse noch angespannter wurde, was sich bei ihm mit sehr lautem Singen äußert. Da hilft dem Indianermädchen auch nicht, wenn es Lobeshymnen über  ihr weiches Fell sind *kicher*.  
Die Stunde war also anfangs recht durcheinander und es dauerte einige Zeit, bis Lasse und auch Emmely konzentriert zusammen arbeiten konnten. Nach einer Stunde Boxenstop, begleitete mich das Indianermädchen dann in der letzten Stunde. Eine Gruppenstunde mit zwei  15 jährigen und drei Therapeutinnen – mich eingeschlossen. Auch diese Stunde war recht laut und erforderte viel Konzentration vom Indianermädchen. 

An diesem Arbeitstag war das Indianermädchen nur bei jugendlichen Klienten dabei, die wissen, dass Emmely nicht gerne am Kopf gestreichelt wird und auch insgesamt lieber arbeiten als schmusen möchte. Und sie wissen es nicht nur, sondern sie akzeptieren es und können sich daran halten.
An anderen Tagen begleitet mich das Indianermädchen aber auch bei  jüngeren Kindern oder Klienten, die eine geistige Beeinträchtigung haben, die nicht verstehen können, dass Emmely nicht so gerne gestreichelt werden möchte. 

Es gibt aber Situationen, bei denen ich von dem Indianermädchen genau das in gewisser Weise erwarte. Natürlich nur im großzügigen Austausch gegen viele Kekse. Emmely soll sich dann also hinlegen oder stehen bleiben, während sie gestreichelt wird. Währenddessen wandert ein Keks nach dem Anderen in die kleine Schnute. Das sind dann immer nur kurze Sequenzen und sie könnte auch jeder Zeit aufstehen und weggehen. Und natürlich achte ich darauf, dass sie vorsichtig gestreichelt wird. Aber ja – in diesem Fall ist Streicheln auch Arbeit für das Indianermädchen. 

Und das ist genauso, wenn uns Passanten unterwegs ansprechen und Emmely streicheln wollen – es denn, dass Emmely aus irgendeinem Grund die Person gut findet und von selbst Kontakt sucht, aber das passiert sehr sehr selten. 
Als Emmely noch jünger war, habe ich genau solche Gelegenheiten genutzt und Emmely immer positiv bestärkt, wenn sie stehen blieb und sich streicheln ließ. 
Und auch heute kommt es immer mal wieder vor, dass Fremde sie streicheln dürfen, sofern sie vorher gefragt haben. Allerdings nur dann, wenn das Indianermädchen wirklich gut drauf ist – und nie nach einem Arbeitstag.

Sollten wir uns also irgendwann mal begegnen, nehmt es mir nicht übel, wenn ich nicht möchte, dass das Indianermädchen gestreichelt wird. Wenn ihr dem Indianermädchen eine Freude machen wollt, gebt ihr lieber einen Keks. Aber einen von ihren eigenen (wegen Allergien und so). 

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